Darstellende Kunst, Freies Theater, Schauspiel
„Das letzte Band“ von Samuel Beckett mit Haye Graf – 3. Vorstellung
Eigenproduktion des TiH mit Publikumsgespräch
Beschreibung
Das letzte Band Das Stück zeigt den 69-jährigen, Schriftsteller Krapp an seinem Geburtstag in einem einaktigen Monodrama von Samuel Beckett aus dem Jahr 1958. Der alte Mann sitzt spät abends an einem Schubladentisch mit Tonbandgerät und Kartons voller alter Tonbänder. Er sucht im Katalog seiner Tonbandaufzeichnungen ein Tonband, das er mit 39 Jahren besprochen hat, und hört sich sein jüngeres, schwärmendes Selbst an. Plötzlich beginnt er eine neue Kommentarspur aufzunehmen.
Samuel Beckett wurde am 13. April 1906 in Dublin geboren und starb am 22. Dezember 1989 in Paris. Beckett arbeitete zunächst als Französischlehrer am Trinity College Dublin und an der École Normale Supérieure in Paris, wo er sich 1938 dauerhaft niederließ; er schrieb abwechselnd auf Englisch und Französisch und übersetzte seine Werke selbst. Während des Zweiten Weltkriegs schloss er sich der Résistance an und musste aufs Land fliehen; gegen Kriegsende arbeitete er freiwillig für das Rote Kreuz. Seinen literarischen Durchbruch hatte er in den 1950er-Jahren mit einer Reihe bahnbrechender Stücke und Romane. 1969 erhielt er den Nobelpreis für Literatur "für sein Schreiben, das – in neuen Formen für Roman und Drama – in der Verlassenheit des modernen Menschen dessen Erhebung erlangt". Zur Preisverleihung erschien er nicht, da er jede Form persönlicher Ehrung ablehnte und sich nicht in den Mittelpunkt gestellt sehen wollte.
Beckett gilt als einer der führenden Vertreter des Theaters des Absurden, einer Strömung, die in den 1950er-Jahren ihren Höhepunkt erreichte und existenzialistische Themen als Reaktion auf die Verwüstungen des Zweiten Weltkriegs und die rasche Modernisierung verhandelte; die Werke mischen dabei tragische Elemente mit komischen Klischees und zeigen Figuren in ausweglosen Situationen.
Während die Uraufführung vom 28. Oktober 1958 (Regie Donald McWhinnie) im Londoner Royal Court Theatre mit Patrick Magee in der Titelrolle in der Kritik durchfiel, wurde die deutschsprachige Erstaufführung am 28. September 1959 im Berliner Schillertheaters ( Regie Walter Henn, Walter Franck als Krapp) zusammen mit der Uraufführung von Albees „Die Zoogeschichte“ – ein Erfolg. Zehn Jahre später, am 5. Oktober 1969, inszenierte Beckett das Stück am selben Haus selbst neu, mit Martin Held in der Hauptrolle.
„Das letzte Band“ wird von der Literaturwissenschaft als Werk, das die isolierte Natur menschlicher Existenz erkundet beschrieben (u.a.)
Haye Graf ist ein Schauspieler und Musiker aus Buxtehude in der Nähe von Hamburg.
Nach einem abgebrochenen Lehramtsstudium absolvierte der 1968 geborene Familienvater seine Schauspielausbildung am Studio O 33 in Hamburg, wo er 1995 seinen Abschluss machte. Es folgten Festengagements an der Landesbühne Hannover (1997 – 2001) und am Jungen Theater Göttingen (2001 – 2004), bevor es ihn zurück an seinen Geburtsort Buxtehude verschlug, von wo aus er seit 2004 als freier Schauspieler tätig ist. Nach Gastengagements an diversen Hamburger Bühnen (Basilika, Altonaer Theater, Winterhuder Fährhaus) und dem Nordharzer Städtebundtheater Halberstadt/Quedlinburg verschob sich der Fokus in letzter Zeit immer mehr in Richtung Seminarschauspiel und Business-Theater, ein Umstand, der auch dem Wunsch des heute 57-jährigen geschuldet war, sich stärker auf die Erziehung seiner Kinder zu konzentrieren.
Neben der Schauspielerei spielte stets die musikalische Seite eine wichtige Rolle im beruflichen und privaten Leben von Haye Graf, sei es als Darsteller in diversen Musicals, als Gitarrist für Schauspielproduktionen oder als musikalischer Leiter, z.b. beim Scharlatan Theater. Heute singt der bekennende Heavy Metal Fan in der Stader Metal Band „Bleeding“, widmet sich aber auch gemeinsam mit NDR-Moderator Jan Wulf dem norddeutschen Liedgut in dem Duo „Jan und Haye“.
Ein weiterer Schwerpunkt seines Schaffens ist das Improvisations-theater, hier war Haye bis 2020 regelmäßig beim Harlekin Theater in Tübingen zu Gast. Auch auf plattdeutsch hat Haye schon gespielt, z.B. in dem Ein-Personen-Stück „Scheit mi ein bäten dod“ von Rudolf Korff.
In der Premiere saß sehr fachkundiges Publikum und hat uns dankenswerterweise Rezensionen übermittelt:
Rezensionen zu Samuel Becketts „Das letzte Band“
1.
Die Eigenproduktion „Das letzte Band“ des Theaters im Hinterhof hatte am 19. September 2026 ihre Premiere. Samuel Becketts Einakter beschäftigt sich mit den Themen Erinnerung, Einsamkeit, Alter und Vergänglichkeit. Im Mittelpunkt steht der 69-jährige Krapp, der an seinem Geburtstag alte Tonbandaufnahmen aus seiner Vergangenheit anhört. Dabei wird er mit seinem jüngeren Ich und seinen früheren Entscheidungen konfrontiert.
Der Schauspieler Haye Graf verkörperte die Figur des Krapp eindringlich und verlieh auch dem jüngeren Krapp seine Stimme. Dadurch entstand ein spannender Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart, obwohl nur ein Schauspieler auf der Bühne zu sehen war. Graf brachte sowohl die komischen als auch die nachdenklichen und melancholischen Seiten der Figur überzeugend zum Ausdruck. Sowohl das Anfangsbild (Krapp schaut minutenlang einfach nur auf den Tisch vor sich), als auch das Schlussbild (Krapp blickt ins Leere, auf das, was war und noch vermeintlich kommen mag?) - berühren und werden nachklingen.
Das reduzierte Bühnenbild sowie die durch Beckett klar vorgegebene Struktur des Stücks stellten eine echte Herausforderung dar (Einrichtung: Nils Engelhard, Tontechnik: Ben Graf). Gerade weil es nur eine Figur, wenige Requisiten und kaum äußere Handlung gibt, liegt die gesamte Aufmerksamkeit auf dem Schauspieler. Haye Graf meisterte diese Herausforderung bravourös und hielt das Publikum durch seine Körpersprache, Stimme und Mimik im Bann.
Ein wichtiges Thema des Stücks ist die Vergänglichkeit des Lebens. Durch die alten Tonbandaufnahmen erkennt Krapp, wie viel Zeit vergangen ist und wie stark er sich verändert hat. Die Aufnahmen bewahren zwar seine Erinnerungen, können die Vergangenheit aber nicht zurückbringen. Dadurch wird ihm bewusst, was er verloren oder vielleicht versäumt hat.
Auch die Einsamkeit spielt eine große Rolle. Krapp lebt zurückgezogen und hat kaum Kontakt zu anderen Menschen. Das Gespräch mit seinem früheren Ich wirkt deshalb gleichzeitig komisch und traurig.
Insgesamt ist die Inszenierung des Theaters im Hinterhof eine eindrucksvolle Umsetzung von Becketts Stück. Besonders die schauspielerische Leistung von Haye Graf zeigt, dass auch ein sehr reduziertes Theaterstück das Publikum fesseln kann. Die Verbindung aus Becketts anspruchsvoller Vorlage, dem schlichten Bühnenbild und der überzeugenden Darstellung macht „Das letzte Band“ zu einer sehenswerten, nachdenklichen und mutigen Inszenierung im Zeitalter der schnellen Schnitte und Bilder.
Das Theater im Hinterhof ist mit seinem vielfältigen Programm eine echte Bereicherung der Kulturlandschaft in Buxtehude. Es lohnt sich, dort einmal vorbeizuschauen.
Pia Fischer
(Fachbereichsleitung musisch-kulturelle Bildung - IGS Buxtehude und ausgebildete Schauspielerin)
2.
Buxtehude eben. In dem kleinen wundersamen Theater im Hinterhof erleben Zuschauer bei der hauseigenen Premiere von „Krapps letztes Band“ von Samuel Beckett tatsächlich große Theaterkunst. Der Abend, klug inszeniert von Nils Engelhard, dauert nur eine knappe Stunde, wirkt dagegen, wie es bei guter Kultur auch sein soll, noch lange Zeit nach. Haye Graf spielt den alten, vereinsamten, in Schmerz getünchten Mann, der sich jedes Jahr an seinem Geburtstag Tonaufnahmen seiner Gedanken aus früheren Zeiten anhört, mit unentrinnbarer Intensität. Er stolpert über Schachteln, isst genüsslich Bananen, sitzt vor seinem Tonbandgerät und weint. Es scheint, als hätte er sich vor vielen Jahren verlaufen und seitdem nie mehr zu sich selbst zurückgefunden. Das Stück gehört zum Kanon des absurden Theaters, verweigert also jegliche oberflächliche Interpretation, regt dafür jeden dazu an, in seinen eigenen Erinnerungen nachzuhorchen, ob man vielleicht auch mal falsch abgebogen ist. Absolut sehenswert!
Marc von Henning
(Autor, Übersetzer und Theatermacher. Beim Londoner Verlag Faber&Faber erschien 1995 THEATREMASCHINE, ein Buch seiner Übersetzungen von Texten Heiner Müllers.
Inszenierungen in London, auf der Expo 2000 in Hannover und für die Salzburger Festspiele. Autor und Regisseur am Staatsschauspiel Stuttgart, am Schauspielhaus Graz, an den städtischen Bühnen Köln, dem Schauspiel Frankfurt, dem Deutschen Schauspielhaus in Hamburg und am Nationaltheater Athen. In 2008 gründete er gemeinsam mit Susanne Reifenrath MEYER&KOWSKI; sie realisieren innovative Projekte an ungewöhnlichen Orten in Hamburg. Viele seiner Inszenierungen sind von seinen eigenen Texten von ES GIBT NICHTS GRÖSSERES ALS DIE KLEINEN DINGE, eine Mediation, 2014 an den Ruhrfestspielen bis UNRUHE AM RAND DER SCHÖPFUNG 2026 an der Bremer Shakespeare Company. Er ist Vater von drei Töchtern und lebt in Hamburg.
Nach der Vorstellung bieten wir ein Publikumsgespräch mit Haye und Nils an.
Wir bieten zur neuen Saison drei Preisgruppen an:
- Solipreis für Menschen mit geringem Budget
. Normalpreis
- Unterstützendenpreis, für Menschen mit größerem Budget, die uns helfen wollen, die Solitickets zu finanzieren.
Solitickets und Unterstützendentickets vorerst nur als Reservierung oder bei Kauf im Theater,
nicht an den VVK-Stellen dort ausschließlich Normaltickets!











